Nachhaltigkeit und Zukunftsfragen erörtert
Wie können die begrenzten Ressourcen der Erde sinnvoll genutzt und dennoch geschützt werden? Wie lassen sich neue Technologien wie die Künstliche Intelligenz zum Vor- und nicht zum Nachteil der Menschen einsetzen? Das waren zwei der leitenden Fragen zum Thema „Nachhaltigkeit und Zukunftsfragen“, das der Bundestag am Donnerstag, 8. Oktober 2026, in einer zweistündigen Vereinbarten Debatte diskutierte. Die Initiative für die jährlich stattfindende Aussprache liegt beim Parlamentarischen Beirat für nachhaltige Entwicklung.. Regierung: Nachhaltigkeit ist die Zukunftsfrage „Nachhaltigkeit ist die Zukunftsfrage“, betonte zum Auftakt die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesumweltminister, Rita Schwarzelühr-Sutter (SPD). Das 21. Jahrhundert sei geprägt vom Gedanken der Nachhaltigkeit, denn Zukunftsfähigkeit bedeute Lebensqualität: „Auch unsere Kinder und Enkel sollen in der Zukunft ein gutes Leben haben und in Frieden und Wohlstand und einer guten Umwelt aufwachsen können.“ Fortschritt müsse deshalb so gestaltet werden, dass er auch morgen noch trage. Dabei helfen solle der „Aktionsplan Nachhaltigkeit“ mit insgesamt 20 Vorhaben, den die Bundesregierung gerade beschlossen habe. Dazu zähle etwa die Förderung von Bildung. Eine weitere der darin enthaltenen Missionen sei es „Reparieren statt Wegwerfen“ zu fördern. Damit sparten Verbraucher Geld, werde die Umwelt entlastet, Ressourcen geschont, CO2 eingespart und überdies das Handwerk gefördert. AfD: Klimahybris ersetzt keine Vernunft Als einen „großen Irrweg“ sah hingegen Rainer Groß (AfD) deutsche und europäische Maßnahmen wie etwa den Green Deal. Deutschland befinde sich nicht in einem „grünem Wirtschaftswunder“, sondern mitten in einer beispiellosen Deindustrialisierung. Die Wirtschaft schrumpfe, Forschungs- und Arbeitsplätze wanderten ins Ausland ab. „Starre Klimahybris“, „ideologischer und planwirtschaftlicher Größenwahn“ ersetzten keine Vernunft, so Groß. Der Mittelstand werde durch Berichtspflichten erstickt. Aus der ehemals freien sozialen Marktwirtschaft werde eine „gelenkte Gesinnungswirtschaft“. Freier Wettbewerb sei besser als Dirigismus. Staatliche Missionen seien nicht nötig für „echte“ Nachhaltigkeit, sagte Groß ohne den Begriff näher zu erklären. Staatsminister: Wachstum entsteht durch Klimaschutz In die Zukunft und besonders auf junge Generationen richtete der Staatsminister beim Bundeskanzler Philipp Amthor (CDU) den Blick. Nachhaltigkeit sei ein Leitprinzip, das ökonomische, ökologische, soziale und auch sicherheitspolitische Dimension habe. Es erfordere, langfristig zu denken und eine generationengerechte Politik zu machen. Dabei gebe es keinen unauflösbaren Zielkonflikt zwischen Klimaschutz und Wirtschaftswachstum, sondern das Gegenteil sei richtig: Wirtschaftswachstum entstehe durch Klimaschutz. Zugleich gelte es schon heute, Infrastruktur und Lebensbedingungen bereits heute besser vor Extremwetter und Klimawandel zu schützen. Grüne kritisieren Einsparungen bei der Förderung der Energieforschung Sie nehme zur Kenntnis, dass der Bundesregierung Nachhaltigkeit wichtig sei, sagte anschließend Andrea Lübcke (Bündnis 90/Die Grünen), Mitglied im Parlamentarischen Beirat für nachhaltige Entwicklung. Allerdings vermisse sie ein entsprechendes Handeln. So kritisierte sie geplante Einsparungen bei der Förderung der Energieforschung. Dies könne zu „dramatischen Fehlentwicklungen“ wie Personalabbau und Standortnachteilen führen und sei weder nachhaltig noch „enkeltauglich“ und widerspreche somit dem Vorhaben, Wohlstand für zukünftige Generationen aufzubauen. In der Vergangenheit sei in Deutschland hocheffiziente und weltweit führende Photovoltaik-Technik entwickelt worden, ähnliche Erfolge habe es in den Bereichen Windenergie oder Wärmepumpen gegeben. Diese „Innovation made in Germany“ müssten aufrechterhalten werden. Linke: Heute schon an morgen und übermorgen denken Ein trotz Hitze lebenswertes Deutschland in 30 Jahren beschrieb Violetta Bock (Die Linke), Sprecherin für Klimagerechtigkeit. Dazu dürften Nachhaltigkeit aber nicht als Floskel und als ein „Weiter so mit grünem Anstrich“ behandelt werden. Nachhaltigkeit heiße, heute schon an morgen und übermorgen zu denken und nicht, wichtige Entscheidungen in die Zukunft zu verschieben. In Krisenzeiten dürften nicht Pflaster geklebt werden, sondern müsse Ursachen strukturell entgegengetreten werden. Kurzsichtige Antworten verschärften hingegen die Ursachen und damit die nächste Krise. Der Tankrabatt und ein verteuertes Deutschlandticket seien deshalb nicht nachhaltig. Zukunftsfragen seien Machtfragen, und wer eine gute Zukunft wolle, müsse sich „mit denen anlegen, die an der schlechten Gegenwart verdienen“. (es/08.10.2026)
