Debatte zum Jahresbericht des Wehrbeauftragten für das Jahr 2025
Den Jahresbericht des Wehrbeauftragten für das Jahr 2025 (21/4200) debattiert das Parlament am Donnerstag, 26. März 2026, eine Stunde lang. Zu Beginn wird der Wehrbeauftragte Henning Otte zehn Minuten in die Unterrichtung einführen. Nach der Debatte ist die Überweisung an die Ausschüsse geplant. Der Verteidigungsausschuss soll bei den weiteren Beratungen federführend sein. Jahresbericht 2025 des Wehrbeauftragten Nach Ansicht des Wehrbeauftragten des Bundestages, Hennig Otte, bleibt der personelle Aufwuchs neben der materiellen Ausstattung und der Infrastruktur die „zentrale Herausforderung“ der Bundeswehr, „um ihre militärischen Fähigkeiten weiter zu stärken“. Sollte der seit Anfang dieses Jahres geltende Neue Wehrdienst, der weiterhin auf Freiwilligkeit beruht, „nicht genügend Aufwuchs bringen“, sei die „Rückkehr zu einer Wehrpflicht der konsequente nächste Schritt“. Die im Gesetz über den Neuen Wehrdienst genannte konkrete Aufwuchsziel von 255.000 bis 270.000 Soldaten bis zum Jahr 2035 müsse vom Bundestag regelmäßig überprüft werden. Die demografische Entwicklung, die Konkurrenz um Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt, die nach wie vor zu hohen Abbruchquoten nach Beginn eines Wehrdienstes sowie strukturelle Defizite in der Bundeswehr seien „limitierende Faktoren“ beim Aufwuchs der Streitkräfte. „Ohne eine konsequente und nachhaltige Personalstrategie droht eine Diskrepanz zwischen politischen Ambitionen und militärischer Realität“, mahnt Otte in seinem Bericht. In den Blick genommen werden müssten „besonders langwierige Personalbearbeitungsverfahren, sich schleppende Sicherheitsüberprüfungen und unzureichende Kommunikation mit den Betroffenen“. Führungsstrukturen zugunsten der Truppe verschlanken Insgesamt sei die Bundeswehr angesichts der sicherheitspolitischen Lage, einer realen und unmittelbaren Bedrohung Deutschlands und eines Bündnisses „im Wandel“ mit „außergewöhnlichen Erwartungen in die Leistungsfähigkeit der Frauen und Männer in Uniform“ konfrontiert, betont Otte in seinem Bericht. Nachholbedarf beim Material sieht der Wehrbeauftragte vor allem bei der Beschaffung von Drohnen und bei Systemen zu deren Bekämpfung sowie bei der Digitalisierung von Führung und Kommunikation in der Truppe. Mit der Öffnung der Schuldenbremse für Verteidigungsausgaben durch den Bundestag sei „die pauschale Berufung auf eine Unterfinanzierung der Bundeswehr“ keine Ausrede mehr. Es gelte, „Führungsstrukturen zugunsten der Truppe zu verschlanken, die Personalzahlen bleibend zu erhöhen, die nationalen wie europäischen Beschaffungsprozesse zu beschleunigen und besser zu koordinieren sowie die Truppe von militärfremder Bürokratie zu entlasten“, mahnt der Wehrbeauftragte. 2.819 Eingaben im Jahr 2025 Die Herausforderungen und Belastungen für die Truppe spiegele sich auch in der gestiegenen Zahl von Eingaben an sein Amt wider. Sie stieg von 2.467 im Jahr 2024 auf 2.819 im Jahr 2025. Umgerechnet auf die Gesamtzahl der Soldaten entspricht dies einem Anstieg von 13,6 auf 15,4 Eingaben je Tausend Soldaten. Dies stellt einen Höchststand seit 2016 dar. Nach Angaben Ottes hat sich Ende 2025 die Zahl der aktiven Soldaten mit 184.194 um rund 3.000 gegenüber dem Vorjahr erhöht. „Es war das einstellungsstärkste Jahr seit der Aussetzung der Wehrpflicht im Jahr 2011.“ Sorgen bereiten ihm allerdings das Zahlenverhältnis zwischen Offizieren und Mannschaftssoldaten. Aktuell komme im Verhältnis gerechnet auf einen Mannschaftssoldaten fast ein Offizier. „Ob mit einer solchen Kopflastigkeit die Aufgaben der Landes- und Bündnisverteidigung der Truppe wirklich nachhaltig bewältigt werden können, ist fraglich.“ Zahl der Bewerber hat sich erhöht Positiv bewertet Otte, dass sich die Zahl der Bewerber von 51.200 im Jahr 2024 auf 55.958 erhöht habe. Allerdings seien 5.045 Bewerbungen zurückgezogen worden und die Bundeswehr habe 11.590 Bewerbungen wegen mangelnder Mitwirkung der Bewerber im Bewerbungsverfahren, gesundheitlichen Ursachen sowie fehlenden geistigen oder charakterlichen Eignung abgelehnt. Auffällig sei die weiterhin ansteigende Zahl von Bewerbern, die die Bundeswehr als gesundheitlich ungeeignet eingestuft hat. Bei den rund 25.230 abgeschlossenen wehrmedizinischen Begutachtungen für eine Einstellung als Zeitsoldat seien rund 2.090 Bewerber „als nicht dienstfähig eingestuft“ worden. Das entspreche einem Anteil von ungefähr 8,3 Prozent gegenüber einem Anteil von 6,3 Prozent im Jahr 2024 und 5,5 Prozent im Jahr 2023. Bei seinen Truppenbesuchen sei ihm von Ausbildern immer wieder geschildert worden, dass sich vermehrt Soldaten in der Basisausbildung befänden, „die gesundheitlich gar nicht für den Dienst in der Truppe geeignet seien“. Unverändert hoch blieb im vergangenen Jahr mit 19,8 Prozent die Zahl derjenigen Soldaten, die ihren Wehrdienst in den ersten sechs Monaten vorzeitig beendeten. Nachholbedarf bei der Rekrutierung von Frauen Auch bei der Rekrutierung von Frauen sieht Otte Nachholbedarf. Der Anteil von Soldatinnen sei im vergangenen Jahr nur minimal von 13,62 auf 13,71 Prozent gestiegen. Dauerhaft würden die Bemühungen um mehr Frauen in den Kampfverbänden allerdings nur Erfolg haben, „wenn die Bundeswehr jeglicher Form von Diskriminierung aufgrund des Geschlechts entschieden entgegentritt“, schreibt Otte. Auch um den angestrebten Aufwuchs auf 200.000 Reservisten zu erreichen, muss die Bundeswehr nach der Meinung Ottes vermehrt Anreize schaffen, sich auch nach dem aktiven Dienst in der Truppe zu engagieren. Vor allem müssten bürokratische Hürden, die bereits die Bewerbung für eine Reservistendienstleistung erschweren, „sofort beseitigt werden“, fordert Otte. Zudem sei es an der Zeit, dass der Gesetzgeber „die nicht mehr zeitgemäße starre Altersgrenze von 65 Lebensjahren“ für Reservisten flexibilisiert. So gelte in Schweden etwa die Vollendung des 70. Lebensjahres als Grenze. Aktuelle materielle Ausstattung der Bundeswehr. Auffällig wenige konkrete Angaben macht Otte in seinem Jahresbericht zur aktuellen materiellen Ausstattung der Bundeswehr. Ganz allgemein seien „Innovation, Materialverfügbarkeit, Souveränität in der Beschaffung, ausreichend Munition, funktionierende Logistik und persönliche Ausrüstung genauso entscheidend wie Großgerät“. Die Kriege in der Ukraine und im Gazastreifen hätten „insbesondere die Bedeutung von Drohnen im Krieg herausgestellt“. Bewaffnete Drohnen wie auch KI-gestützte und autonom geführte Systeme seien notwendig, „um in modernen Konflikten handlungsfähig zu bleiben und die eigenen Kräfte wirksam zu schützen“, heißt es im Bericht. Gleiches gelte für die Beschaffung von Systemen zur Drohnenabwehr. Otte will Jahresbericht „nicht als Mängelbericht“ verstehen Als „besorgniserregend“ bezeichnet Otte die Schwierigkeiten und Verzögerungen beim Vorhaben „Digitalisierung Landbasierte Operationen“. Dies behindere „die dringend notwendige Modernisierung der Führungs- und Kommunikationsmittel der Bundeswehr sowie ihre Interoperabilität mit NATO-Partnern“. Um keine Rückschlüsse auf die Fähigkeiten der Bundeswehr zuzulassen und somit die Sicherheit der Soldaten „nicht zu gefährden“ werde er aber keine Details dazu veröffentlichen. Überhaupt stehe der Wehrbeauftragte in diesen Zeiten „mehr denn je in der Pflicht, seinen Beitrag als Teil der Sicherheitsarchitektur Deutschlands zu leisten“. Sein Jahresbericht sei deswegen auch „nicht als Mängelbericht“ zu verstehen. „Er benennt Herausforderungen, Probleme und Handlungsfelder und verbindet sie mit Schlussfolgerungen und Empfehlungen“, betont Otte. (aw/hau/20.03.2026)
