Fachgespräch über junge Frauen in sogenannten „Tripperburgen der DDR“
Die SED-Opferbeauftragte Evelyn Zupke hat am Donnerstag, 5. März 2026, ein Fachgespräch zum Thema „Scham und Angst: Zwangseinweisungen und Misshandlungen von jungen und minderjährigen Frauen in den sogenannten Tripperburgen der DDR“ ausgerichtet Frauen und Mädchen in Geschlossenen Venerologischen Stationen Gegenstand des Fachgesprächs waren die Schicksale der jungen Frauen und Mädchen, die in der DDR in Geschlossenen Venerologischen Stationen untergebracht waren. In diese an Gefängnisse erinnernden Einrichtungen wurden nach Angaben der SED-Opferbeauftragten über die Jahrzehnte Zehntausende junge Frauen und Mädchen unter dem Vorwand des Verdachts auf eine Geschlechtskrankheit eingewiesen – regelmäßig direkt von der Volkspolizei. Betroffen waren laut Zupke weibliche Personen, deren Verhalten von den sozialistischen Idealen der Arbeitsdisziplin, des partnerschaftlichen Zusammenlebens oder der Staatstreue abwich. Eine medizinische Indikation habe bei mehr als zwei Drittel der Patientinnen gefehlt. Auf den Geschlossenen Venerologischen Stationen seien sie dennoch täglich entgegen ihrem ausdrücklichen Willen brutalen gynäkologischen Untersuchungen unterzogen worden. Wie systematisch dort sexualisierte Gewalt ausgeübt wurde, zeige die Forschung seit einigen Jahren, so die Opferbeauftragte. Viele der Betroffenen hätten jahrzehntelang über das Erlebte geschwiegen. Zu schambehaftet und traumatisierend seien die Erlebnisse für sie gewesen. Mit dem Fachgespräch wollte Zupke den betroffenen Frauen eine Stimme geben und über das Unrecht informieren, welches sie in den Geschlossenen Venerologischen Stationen hätten erdulden müssen. Impulsvortrag, Zeitzeugengespräch, Podiumsdiskussion Nach dem Impulsvortrag „Geschlossene Venerologische Stationen“ von Prof. Dr. Florian Steger, Direktor des Instituts für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin der Universität Ulm, zu seinen Forschungsergebnissen führte die Bundesbeauftragte mit Angelika Börner, die mit 15 Jahren ohne medizinische Indikation für achteinhalb Wochen in der Geschlossenen Venerologischen Station der Poliklinik Mitte in Halle festgehalten wurde, ein Zeitzeugengespräch.. In der sich anschließenden Podiumsrunde erörterte die Zeitzeugin und Initiatorin eines Erinnerungszeichens der Geschlossenen Venerologischen Station Berlin-Buch Martina Blankenfeld zusammen mit Professor Steger, Dr. Fruzsina Müller vom Medizinhistorischen Institut der Charité Berlin und der Journalistin Sabine Seifert den gegenwärtigen Aufarbeitungsstand und die Bedarfe von Betroffenen und Wissenschaft. Bei einem sich anschließenden Empfang konnte ein Teil der Wanderausstellung „Einweisungsgrund: Herumtreiberei – Disziplinierung in Venerologischen Stationen und Spezialheimen der DDR“ des Vereins „Riebeckstraße 63“ und der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau besichtigt werden. Zudem konnten sich Betroffene zu konkreten Rehabilitierungsfragen und Unterstützungsmöglichkeiten erstberaten lassen. (vom/05.03.2026)
