Fachgespräch und Ausstellung über „Asoziale“ als Staatsfeinde in der DDR
Die SED-Opferbeauftragte beim Deutschen Bundestag, Evelyn Zupke, lädt zu einem eineinhalbstündigen Fachgespräch mit Ausstellungseröffnung zum Thema „Erziehung durch Arbeit. ,Asoziale‘ als Staatsfeinde in der DDR“. Die Veranstaltung beginnt am Mittwoch, 11. Februar 2026, um 17 Uhr im Mauer-Mahnmal des Deutschen Bundestages im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus, Adele-Schreiber-Krieger-Straße 1 in Berlin. Verurteilungen nach dem „Asozialenparagrafen“ Die Verfassung der DDR legte fest: Gesellschaftlich nützliche Tätigkeit ist eine ehrenvolle Pflicht für jeden arbeitsfähigen Bürger.“ Wer dieser „Pflicht“ nicht nachkommen konnte oder wollte, der wurde zum Staatsfeind erklärt und musste mit Gefängnis und weiteren Repressionen rechnen. Schätzungen gehen von rund 130.000 Verurteilungen nach dem sogenannten „Asozialenparagrafen 249“ zwischen 1968 und 1989 aus. Die Bandbreite der Betroffenen reicht von Punkern über Prostituierte und Personen, die Ausreiseanträge stellten, bis hin zu Oppositionellen. Mit dem Fachgespräch will die SED-Opferbeauftragte über diese der breiten Öffentlichkeit wenig bekannte Form der politischen Verfolgung und die langanhaltenden Folgen für die Betroffenen informieren. Zusammen mit dem Verein exhibeo – Gesellschaft für politische, kulturelle und historische Forschung und Bildung (Berlin) sowie mit der Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) will sie am Beispiel der vermeintlich „Asozialen“ an die politischen und gesellschaftlichen Repressionen des SED-Regimes erinnern. Gespräch mit Zeitzeugen und Ausstellungsmachern Evelyn Zupke wird mit den beiden Zeitzeugen Tim Steinwender und Thomas Pflug über deren Erfahrungen sprechen. In einem Podiumsgespräch zur neuen Ausstellung „Erziehung durch Arbeit. ,Asoziale‘ als Staatsfeinde in der DDR“ spricht sie mit den Ausstellungsmachern Dr. Michael Schäbitz, Historiker und Kurator, und Dr. Eva Fuchslocher, Kulturwissenschaftlerin und Soziologin, sowie mit Dr. Franziska Kuschel von der Bundesstiftung Aufarbeitung, welche die Ausstellung gefördert hat. Zudem wird Lasse Jacobsen, der als Rechtsanwalt unter anderem Strafverteidiger und Anwalt für DDR-Unrecht ist, auf dem Podium den rechtlichen Hintergrund näher beleuchten. Die multimediale Ausstellung zeichnet die Verfolgung der sogenannten Asozialen historisch nach und zeigt anhand verschiedener Biografien die Dimension der Willkür auf, mit der missliebige Menschen verfolgt wurden. Die Ausstellung ist nach der Veranstaltung noch bis zum 1. März 2026, dienstags bis sonntags in der Zeit von 11 Uhr bis 18 Uhr im Mauer-Mahnmal zu sehen. Für Interessierte werden Führungen zu folgenden Zeiten angeboten: am 12. Februar von 11.30 bis 12.30 Uhr, am 19. Februar von 13.30 bis 14.30 Uhr und am 24. Februar von 16.30 bis 17.30 Uhr. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Termine für individuelle (Gruppen-)Führungen können vereinbart werden per E-Mail an: m.schaebitz@exhibeo.de. (vom/09.02.2026)
